LogistikPraxisbeispiele

Flex macht mobil Innovative Transportroboter für mehr Entlastung

‘Live Smarter’ ist die Devise von Flex, einem der weltweit führenden Technologieunternehmen. Das Leben der Kunden komfortabler zu gestalten bedeutet für Flex selbst vor allem, die eigenen Prozesse schlank, effizient und flexibel zu halten.

Dieser Herausforderung begegnet das weltweit tätige Unternehmen, indem man stets Augen und Ohren offen hält nach neuen innovativen Technologien für die Fertigung. Und solche bieten Industrie 4.0 und IoT (Internet of Things) durchaus: So haben am österreichischen Standort nun zwei mobile Roboter des dänischen Herstellers Mobile Industrial Robots Einzug gehalten. Die beiden MiR100, so der Produktname des Roboters, übernehmen selbstständig interne Warentransporte.

Die Automatisierung dieser recht monotonen Aufgaben entlastet die Mitarbeiter von Flex und ermöglicht es ihnen nun, mehr Zeit auf höherwertige Tätigkeiten zu verwenden. Um das Potential mobiler Robotik voll auszuschöpfen, plant man im Unternehmen aber für die nähere Zukunft bereits eine Ausweitung des neuen Systems und will die flexiblen Roboter sowie das Hängersystem ‘Hook’ in weiteren Einsatzgebieten anwenden.

An den österreichischen Standort von Flex in Althofen/Kärnten können Unternehmen aus Medizintechnik, Industrie und Automotive nahezu ihre komplette Wertschöpfungskette auslagern – vom Produktdesign, über Fertigung und Engineering, bis hin zur Logistik. Um den Kundenanforderungen gerecht zu werden und dabei gleichzeitig rentabel zu sein, ist der ‘Lean Six Sigma’-Ansatz tief in der Unternehmensphilosophie verankert. Diese Managementmethode zielt vor allem auf eine schlanke und effiziente Gestaltung der Wertschöpfungskette ab.

Innovative Technologie für komplexe Herausforderungen

„Eine besondere Herausforderung für uns sind dabei die hohen Komplexitäten, denen wir in der Fertigung gegenüberstehen”, erklärt Christoph Schaller, Engineering Director bei Flex. „Unsere Produktion ist sehr flexibel, und das bringt natürlich auch für den internen Warentransport besondere Herausforderungen mit sich. So befinden wir uns beispielsweise oft in der Situation, dass vom Hauptlager zur Fertigung viele Transporte in sehr kurzen Zeitabständen anfallen. In diesem Zusammenhang ist es natürlich immer wichtig, anfallende Wegzeiten weitgehend zu reduzieren.“ Vor etwa anderthalb Jahren begann man deshalb zu diskutieren, wie die unnötig anfallenden Wegzeiten reduziert werden könnten. Ein Transportsystem mit Magnetband wurde dabei jedoch relativ schnell verworfen. Das Fertigungslayout des Unternehmens ändert sich in der Regel alle drei bis sechs Monate und ein Magnetband in diesen Zeitabständen jeweils neu zu verlegen, brächte laut Schaller einen erheblichen Zusatzaufwand mit sich. „Auf der Hannover Messe 2015 sind wir dann aber auf den mobilen Roboter von Mobile Industrial Robots aufmerksam geworden. Nach einer Beurteilung dieses Systems haben wir festgestellt, dass wir hier ein Produkt gefunden haben, das unseren hochflexiblen Anforderungen in der Intralogistik gerecht werden kann und dennoch erschwinglich ist.”

Im selben Jahr, 2015, wurde dann schließlich der erste der beiden MiR100 angeschafft, ein halbes Jahr später folgte bereits der zweite. Durch gute Unterstützung bei der Integration durch den Hersteller selbst sowie den österreichischen Vertriebspartner Haba Verpackung GmbH befanden sich die mobilen Roboter bereits kurz nach der Evaluierungsphase im täglichen Einsatz. Bernhard Haba, Geschäftsführer der Haba Verpackung GmbH, sieht in mobiler Robotik großes Zukunftspotential: „Innovative Unternehmen wie Flex beschäftigen oft hochqualifizierte Mitarbeiter – diese für interne Transportaufgaben abzustellen bedeutet für sie einen Effizienzverlust. Als Förder- und Verpackungsexperte sehen wir auf dem Markt gesteigertes Interesse an mobilen Automatisierungslösungen wie dem MiR100. Schließlich erkennen viele Firmen den hohen Mehrwert, welcher nicht nur in Zahlen zum Ausdruck kommt, sondern auch in der Zufriedenheit der Mitarbeiter.“

Ein echter Türöffner

Heute läuft bei Flex dank der mobilen Helfer der Warentransport vom Hauptlager zur Fertigung, eine Strecke von rund 600 Metern, vollständig automatisiert und ohne Unterbrechung ab, wobei das Lastengewicht des Roboters bis zu 100 Kilogramm beträgt. Dieser Weg weist durchaus Hindernisse für die Roboter auf, zum Beispiel Schnelllauftore: „Im Alltag stellt das aber kein Problem dar. Der MiR100 ist mit dem Kommunikationssystem der Tore verknüpft und teilt ihnen jeweils mit, wenn sie sich öffnen sollen. Das funktioniert sehr gut”, ist Christoph Schaller überzeugt. „Genauso funktioniert das, wenn Menschen die Wege des Roboters kreuzen: Wenn der Platz ausreicht, weicht der MiR der Person einfach aus. Wenn nicht, bleibt er kurz stehen und wartet, bis die Bahn frei ist.” Pro Monat legen die Roboter heute durchschnittlich 200 Kilometer zurück – eine beachtliche Strecke, die früher von den Mitarbeitern zurückgelegt werden musste.

Dank mobilen Robotern mehr wertvolle Arbeitszeit

Die Automatisierung des internen Warentransports hat sich bereits jetzt für die Mitarbeiter bezahlt gemacht. Sie werden heute dank der neuen Technologie von den monotonen Transportaufgaben weitgehend entlastet. Das so gewonnene Mehr an verfügbarer Arbeitszeit hat es ermöglicht, ihren Aufgabenbereich verstärkt in den Logistikbereich zu verschieben. Beachtliche Prozessoptimierungen konnten so erzielt werden, wie Christoph Schaller erklärt: „Den Warentransport von A nach B übernimmt nun der Roboter, die Tätigkeiten der Mitarbeiter haben sich dafür verstärkt in den Wareneingang verlagert. Aus diesem Grund steht im Hauptlager nun deutlich mehr Zeit für die Vorportionierung der Warenlieferungen an die Fertigung zur Verfügung, ebenso für die Befüllung von Fixlokationen. Dadurch sind die Portionierungen jetzt weitaus gerechter gestaltet, was letztendlich den Mitarbeitern an allen Stationen unserer Fertigungskette zu Gute kommt.“

Mensch-Roboter: Es kommt auf das Zusammenspiel an

Inwieweit die Einführung einer neuen Technologie als erfolgreich zu bewerten ist, hängt laut Christoph Schaller jedoch nicht nur von der technischen und wirtschaftlichen Komponente ab: „Ein wesentlicher Faktor des Erfolgs liegt bei uns immer auch darin, ob ein System von den Menschen angenommen wird, die täglich damit arbeiten.” Zwar steht man bei Flex, bedingt auch durch die aufgeschlossene Unternehmenskultur, neuen Technologien grundsätzlich offen gegenüber. Die Einführung von mobilen Robotern stellte aber für die Mitarbeiter ein Novum dar: „Der MiR100 ist ja sehr leise, man bemerkt ihn akustisch kaum. Da haben wir uns schon zuerst gefragt: Hält der mobile Roboter rechtzeitig an, auch wenn ich ihn nicht bemerke? Dass er das tut, hat sich aber schnell gezeigt. Diese Bedenken sind mittlerweile kein Thema mehr bei uns“, sagt Martin Knirschnig, Materials Lead bei Flex. Das Zusammenspiel von Mensch und Roboter wird bei dem weltweit führenden Technologieunternehmen heute schon gelebt.

Ein weiterer wichtiger Punkt für Schaller und sein Team war in diesem Zusammenhang die Benutzerfreundlichkeit: „Wenn die Mitarbeiter erst einmal fünf Kurse besuchen müssen, wie sie mit einem neuen System Waren von A nach B bringen können, schafft man natürlich keine Überzeugung. Die Programmierung des MiR100 funktioniert aber sehr einfach und intuitiv. In der Belegschaft wurde der Roboter deshalb rundum positiv aufgenommen.”

Gewappnet für die Industrie 4.0

Der bisherige Einsatz der beiden MiR100 ist damit schon sehr gut gelungen. Mittelfristig soll das Potential mobiler Robotik aber voll ausgeschöpft werden. Ihren Aufgabenbereich im Unternehmen will man daher sukzessive erweitern – und wird dazu jetzt auch das patentierte Hängersystem ‚Hook’ von Mobile Industrial Robots einsetzen. Diese neue Produktkomponente kann direkt an den MiR100 angeschlossen werden und ermöglicht den voll automatisierten Transport von Rollwägen bis zu 300 Kilogramm. „Der erste Schritt bestand im Einsatz der Roboter für den Warentransport vom Hauptlager aus“, erläutert Christoph Schaller. „Als wir gesehen haben, dass das reibungslos funktioniert, haben wir uns gefragt: Welche Möglichkeiten bietet uns diese Technologie noch? Und die Möglichkeiten werden durch den Hook natürlich noch einmal erweitert, das System wird noch flexibler nutzbar. Indem wir den Roboter in Kombination mit dem Hook nun zusätzlich auch für den Transport von Fertigwaren zum Expedit einsetzen werden, gehen wir also den logischen nächsten Schritt.“

Die Einsatzmöglichkeiten sind aber längst nicht ausgeschöpft: Auch für die Abfallwirtschaft ist der mobile Roboter bereits angedacht. Außerdem arbeitet man derzeit daran, die Robotersteuerung ‚Fleet Management‘ des dänischen Roboterherstellers vollständig in das Planungssystem für Flex‘ Intralogistik zu integrieren – in Zeiten von IoT und voranschreitender Konnektivität ein naheliegender Gedanke, der Flex‘ Unternehmenskultur und das Potential mobiler Robotik miteinander vereint.